Vorbereitung zum Vogtland Radmarathon

Vorüberlegungen

Eingedenk der Erfahrungen vom Auersberg-Marathon war mir klar, dass dieser gegen den, vom Vogtländischen Radsportteam Plauen e.V. organisierten, Vogtland-Marathon wie eine Spazierfahrt wirken duerfte. Die Streckenparameter (201Km Route mit 3000m Höhenunterschied) hatten fast den doppelten Umfang. Also musste ein besseres Training sein - und was lag näher, als die Rennstrecke im Vorfeld bereits einmal abzufahren, schon um einen Überblick über die Einteilung der Kraftreserven im späteren Wettbewerb zu bekommen?

Vorbereitung

Die Teilstrecke um Plauen herum kannten wir, Andreas N. und ich, hinreichend gut. Also entschlossen wir uns kurzerhand, unsere Fahrt in Jägersgrün zu beginnen. Morgens um 9:00 Uhr standen wir(eine ordentliche Portion Müsli im Bauch) an unserem Startpunkt und fuhren in einen sonnigen, warmen (23°C) Tag hinein.

Von Jägersgrün nach Johanngeorgenstadt

Dem herrlichen Wetter entsprechend radelten wir ganz locker los. Die ersten Kilometer, in Richtung Morgenröthe - Rautenkranz und Carlsfeld eigneten sich, wegen der geringen Steigung, hervorragend zur Erwärmung. Erst am Abzweigung Carlsfeld begann der erste, fast endlos scheinende Anstieg. Da hieß es, ein- zwei (oder ein paar mehr) Gänge herunter zu schalten und fleißig in die Pedale zu treten. Doch die Anstrengung lohnte sich, denn, einmal auf den Carlsfelder Höhen angekommen und den Ort selbst im Rücken, entschädigte uns eine ebensolange Abfahrt für die Strapazen beim Aufstieg. Relativ erholt fuhren wir danach (bergauf, bergab, …) über den Auersberg nach Johanngeorgenstadt. Wichtigste Erkenntnis des Streckenabschnittes: In dieser Region gibt es keine kleinen Berge.

Von Johanngeorgenstadt nach Rittersgrün

Johanngeorgenstadt, das am höchsten Punkt ca. 1000m über N.N. liegt, erfreut das Radlerherz(zumindest beim Verlassen ;o} ) mit einer langgestreckten Abfahrt nach Erlabrunn und Breitenbrunn. Letzteres zeichnet sich besonders dadurch aus, dass das Ortseingangssschild am Beginn einer steilen Steigung liegt, die obendrein kein Ende nehmen will. Hier wurden Durchhaltewille und Leistungsfähigkeit auf die erste harte Probe gestellt. Dennoch hatten wir es irgendwann geschafft und genossen den herrlichen Ausblick auf das Gebirgspanorama zwischen Auersberg (hinter uns) und Fichtelberg (vor uns). Und das Allerbeste war die darauffolgende Abfahrt ins Tal, nach Rittersgrün.

Von Rittersgrün zum Fichtelberg

Nachdem wir Rittersgrün hinter uns gelassen hatten, boten die folgenden 3-4 Kilometer wieder eine Chance, unsere Durchschnittszeit zu verbessern. Die Strecke verlief so eben, dass man die Qualen des eben absolvierten Anstieges beinahe hätte vergessen können. Aber das war natürlich alles nur, um uns auf den Schock vorzubereiten, der uns erwartete. 12 Kilometer ununterbrochener Anstieg! Und die Steigung war beträchtlich, denn der Höhenunterschied betrug fast 400 Meter. Jeder von uns versuchte hier, seinen eigenen Rhythmus zu finden - und ja nicht nach vorn zu schauen, denn ein Ende war eh nicht abzusehen. In solchen Situationen erfährt man dann sehr deutlich, ob die perfekt geglaubte Vorbereitung wirklich ausreichend war. Ich weiß nicht mehr, wie lange wir gebraucht haben, um den Berg zu erklimmen. Auf jeden Fall müssen wir(so, wie uns der Schweiß herunter lief) oben um einiges leichter gewesen sein, als noch in Rittersgrün.

Fichtelberg-Rast

Als wir am Gipfel eintrafen, war es eben 12:00 Uhr; Zeit für eine ordentliche Mahlzeit (und ein kühles Weizen ;o} ). Anschließend analysierten wir in aller Ruhe die bisherige Fahrt. Wir waren ziemlich zufrieden. Natürlich würde der richtige Marathon bedeutend größere Anforderungen stellen, denn wir hatten ja einen Teil der Strecke einfach weggelassen. Aber die Tatsache, dass wir uns trotz der hinter uns liegenden Strapazen noch ziemlich fit fühlten, machte uns zuversichtlich. Auch um die Heimfahrt mussten wir uns nicht sorgen, hatten wir doch den Großteil der Höhenmeter schon geschafft.

Nach Hause

Frisch erholt und mit neu aufgefülltem Getränkevorrat machten wir uns dann wieder auf, in wärmere Gefilde. Der Gipfel des Fichtelbergs ist temeraturmäßig auch im Hochsommer nicht uneingeschränkt zu empfehlen, wenn man nur ein dünnes Fahrraddress anhat. Nun ging es einfach nur bergab. Ich weiß nicht, ob ich schon jemals vorher so lange Fahrrad gefahren war, ohne ein einziges Mal in die Pedale zu treten. Erst in Rittersgrün erwartete uns eine Steigung, die wir aber, nach dem schon erwähnten Fichtelberghang und der kräftigenden Pause beinahe nicht als solche wahrnahmen. Ganz anders verhielt es sich bei dem Anstieg nach Johanngeorgenstadt, der einem schon die Tränen in die Augen treibt, wenn man jemandem nur zuschaut, wie er den mit dem Rad hinaufstrampelt. Diese Steigung zehrt auch nach guter Erholung gnadenlos an den Kräften. Der Auersberg und die Carlsfelder Höhen waren dann keine wirkliche Herausforderung mehr. Die schöne Strecke, im Wald entlang, bot Gelegenheit, den „Autopiloten“ ein- und selbst abzuschalten. Der Abstieg und die anfangs erwähnte Ebene nach Jägersgrün bildeten einen wunderbaren Ausklang. Und dort angekommen bestiegen wir das Auto und fuhren in aller Ruhe gemütlich nach Hause.

Insgesamt hatten wir 109 Kilometer und 2000 Höhenmeter bewältigt, was gegen die 201km/3000m fast ein Klacks war, die uns nur eine Woche später erwarten würden. Im Großen und Ganzen konnte ich behaupten, dass sich mein monatelanges Training und die vorher absolvierten Touren gut bewährt hatten. Diesen Test hatten wir beide doch recht souverän gemeistert.

Ein paar Bilder

vm-prep_2004_1.jpgAm Fichtelberg angekommen, waren wir noch so erhitzt, dass uns die relative Kälte noch nicht auffiel.
Die fantastische Aussicht und ein gefüllter Magen konnten nur durch ein kleines Bier übertroffen werden.vm-prep_2004_2.jpg
vm-prep_2004_3.jpgNach einem guten Essen und etwas Erholung kann man auch ein nettes Bild zur Erinnerung schießen.
Der Fichtelberg-Bezwinger. Ein sehr gutes Gefühl, besonders, wenn man sieht, wie sehr sich teilweise schon die Wanderer anstrengen, um bis zum Gipfel zu gelangen.vm-prep_2004_4.jpg
vm-prep_2004_5.jpgAndreas am Berg. Dieser Abschnitt gehörte eher zu den „gemütlicheren“ Teilen der Tour.